Die Katze lässt das Mausen nicht

Die Katze lässt das Mausen nicht

„Freiheit" (die Vorgängerin der „Mitteldeutschen Zeitung"), 1979
Vergnügliche Plauderei über „Kaffee- und Tabakdämpfe"
Zur halleschen Premiere „Die Katze läßt das Mausen nicht"
Dr. J.-D. Thäle

„Die Katze läßt das Mausen nicht" ist der Titel einer „ohren- und gemütsergötzenden“ musikalischen Plauderei, die im Theater des Friedens in Halle Premiere hatte. In Wort und Ton wird hier von Vergnüglichem über „Coffeedampf und Tobacksqualm“ der Bach-Händel-Zeit berichtet. Es ist historisch verbürgt, daß in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Türkentrank endgültig seinen Siegeszug durch Europa angetreten hatte. Alle behördlich festgelegten, zum Teil drastischen Maßnahmen halfen bekanntlich nicht, die als angenehme Laster erkannten Genußmittel zu verbieten. So vernimmt man dann mit Vergnügen und Schmunzeln köstliche Rezepturen des braunen Getränks, belächelt gar wohlgemeinte Ratschläge von anno dazumal hinsichtlich leiblicher Reaktionen auf Koffein und Nikotin.
Dirk Mandel, der sich als junger Textautor einen Namen zu machen beginnt, oblag es, die verbürgten Histörchen und Kuriositäten den musikalischen Spezialitäten mit leichter Hand beizugeben. Daß die Mischung von Musik und Dialog sich zunächst etwas schwerfällig anließ, hin und wieder etwas ins Stocken zu geraten schien, ist wohl mehr einer nicht genügend gestrafften Regiekonzeption (Christoph Thomm) zuzuschreiben.
Aus der Fülle musikalischer Lobpreisungen oder Ironisch-heiterer Stellungnahmen erklangen drei „Coffee- und Tobacks-Liedlein“ von Sperontes (Singende Muse an der Pleiße), Rathgebers ergötzliches Rauch- und Schnupftabak-Quodlibet (Tafel-Confect) sowie die Kantaten „Le Cafe" von N. Bernier und „Tobak, du edle Panacee" von G. H. Stölzel (DDR-Erstaufführung). Das Finale bildete Bachs Kaffeekantate „Schweigt stille, plaudert nicht".
Werner Hasselmann überzeugte stimmlich und darstellerisch als passionierter Tabakraucher und Kaffeeabstinenzler. Die junge Adelheid Vogel pries mit gefälligem Sopran und munterem Spiel die Vorzüge des Kaffees. Siegfried Joachim meisterte die Aufgaben als „Schnupfer“ und Erzähler. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Michael Stolle, der Sänger und Mitglieder des Händelfestspielorchesters zu frischem Musizieren vereinte, wenn auch hin und wieder Unstimmigkeiten im Zusammenspiel nicht zu überhören waren. Dem Rahmen angemessene, hübsche Dekorationen und Kostüme rundeten das Bild eines im großen und ganzen vergnüglichen Abends.



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